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DRK Altkleidersammlungen im Stadtgebiet


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    • Feuerwehrgerätehaus in Riesenbeck
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Bericht zur Altkleiderkammer in Ibbenbüren 10.01.2003

weitere Infos beim DRK Kreisverband Tecklenburger Land


Artikel aus der FAZ v. 05.11.1997 zum Thema Altkleider

 
 
 
 
 

Auszug aus Frankfurter Allgemeine   Mittwoch, 5. November 1997, Nr. 257 / Seite 15

Alte Kleider sind kein Sondermüll

Schweizer Untersuchung: Spenden gefährden Textilindustrie in Afrika nicht / Von Konrad Mrusek
BERN. 4. November. In Ghana haben aus Europa importierte Altkleider einen eigenartigen Namen. Man nennt sie ,,Obu-roni Wawu“, was in der Übersetzung ungefähr ,,Der weiße Mann ist tot" heißt. Aber der Handel mit diesen Textilien in Ghana und auch in anderen afrikanischen Ländern lebt. So weit ist der Altkleiderhandel verbreitet, daß manche empfindsamen Deutschen inzwischen ein schlechtes Gewissen plagt, wenn sie den Plastiksack mit Altkleidern vor die Tür stellen: Ruiniere ich nicht mit meinem Wohlstands-Plunder die afrikanische Textilindustrie und mache Menschen arbeitslos? So fragten sich in letzter Zeit immer mehr Bürger, seitdem das ,,Institut für Ökonomie und Ökumene Südwind" in Siegburg bei Bonn vor drei Jahren das Sammeln von Altkleidern als gutgemeinte Tat mit schlechten Folgen verdammte.
Seitdem hat die hitzige Diskussion in Deutschland sogar das Europäische Parlament erreicht, und es sieht ganz so aus, als ob abgelegte Textilien bald nicht mehr nach Afrika oder anderen Staaten der Dritten Welt exportiert werden dürfen, weil sie ähnlich wie Sondermüll ein schädlicher Abfall sind, und zwar kein ökologisch, sondern ein sozial gefährlicher Reststoff. Gemäß dem Basler Übereinkommen darf aber Sondermüll nicht aus lndustrie- in Entwicklungsländer verschifft werden. Dies würde bedeuten, daß so manche Textilien, die nicht im Inland wiederverwendet werden können, im Verbrennungsofen landen. Das ist eine Lösung, die deutschen Textilhändlern am besten gefällt, weil sie den Verkauf von neuer Kleidung fördert.
Die reichen Schweizer sammeln auch viele gebrauchte Kleider, denn das hat eine lange Tradition. Doch sie sind weniger aufgeregt und viel pragmatischer als die Deutschen. Also gab man eine detaillierte Untersuchung in Auftrag, die den Verdacht
 überprüfen sollte, Altkleider in Afrika seien tatsächlich eine besonders perfide Art des Kolonialismus. Die Studie der Arbeitsgemeinschaft Texaid, die am Dienstag in Bern vorgestellt wurde, kam zu entgegengesetzten Ergebnissen: Danach gefährdet diese Billigware in Ghana und Tunesien, den bedeutendsten Altkleider-Importeuren Afrikas, die Arbeitsplätze nicht. In Tunesien ist ungeachtet der Einfuhren die Bekleidungsindustrie sogar zweitgrößter Arbeitgeber des Landes, und in Ghana leben 150 000 Menschen vom Handel und vom Umarbeiten der gebrauchten europäischen Hosen, Jacken und Hemden. Auch der Vorwurf feingeistiger deutscher Kritiker, Afrikaner brauchten doch keine abgelegten Wintermäntel, scheint nicht stichhaltig zu sein. In Ghana zumindest haben sich etliche Händler gerade auf solche warmen Stücke spezialisiert, weil die vielen Nachtwächter wissen, daß es auch in diesem Land nachts empfindlich kühl werden kann.
Der Forschungsleiter der Schweizerischen Akademie für Entwicklung (SAD) in Ghana, Daniel Obiri-Yeboah, sagte jetzt in Bern, selbst ein junger Anwalt kaufe sich zunächst einen gebrauchten Anzug für das Gericht, weil er sich einen neuen nicht leisten könne. Dieser kostet etwa 40 Dollar, der gebrauchte Anzug nur etwa ein Fünftel davon. Der Durchschnittslohn in Ghana liegt bei etwa einem Dollar pro Tag. Wegen der großen Armut, so Obiri-Yeboah, seien die Bürger aufgebrauchte Kleider angewiesen, und daher seien auch 97 Prozent der Bürger gegen ein Importverbot. Für die Studie wurden in Ghana etwa 1000 Personen befragt, und es wurden Interviews mit Händlern und auch mit Beamten in Ministerien geführt. Danach scheinen die Märkte für gebrauchte und neue Textilien fast ganz voneinander getrennt zu sein. Die Krise der heimischen Textilindustrie gab es überdies lange vor Beginn der Altkeider-Importe, und sie hatte andere Gründe. Auch in Tunesien, wo man ebenfalls 1000 Personen befragte, sind Altkleider weit verbreitet. Sechzig Prozent der Befragten gaben an, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten solche Ware gekauft. Die erfolgreiche Textilindustrie des Landes gedeiht dennoch, und zwar im Export.
Für den Auftraggeber der Untersuchung, Texaid, ist somit erwiesen, daß es weder in Ghana noch in Tunesien einen Zusammenhang gibt zwischen Alttextil-Importen und der heimischen Textilindustrie. Die deutsche  Untersuchung hält  man  für  ein Schreibtisch-Elaborat. Die Schweizer sind sogar der Meinung, daß ein lmportverbot gravierende Folgen hätte für die Mehrheit der Bevölkerung, weil es einerseits zahlreiche Arbeitsplätze in dem für Entwicklungsländer wichtigen informellen Sektor der Wirtschaft vernichtete und zugleich viele Textilien unerschwinglich machte.
Ähnlich wie in Deutschland gehen auch in der Schweiz nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent der gesammelten Textilien nach Afrika. Die am besten erhaltene Ware wird in Europa in Second-hand-Läden verkauft, weil man hier viel höhere Preise bekommt. Der Präsident des Texaid-Verwaltungsrates, Fridolin Kissling, sagte, mit den guten Stücken mache man mehr als die Hälfte des Gewinns, obwohl dies nur etwa fünf Prozent der Altkleider seien. Texaid, eine 1973 gegründete Arbeitsgemeinschaft von sechs schweizerischen Hilfswerken, hat daher zusammen mit einem Altstoff-Händler ein eigenes Sortierwerk gebaut, in denn nicht weniger als 150 verschiedene Textilien sortiert werden. 1996 sammelte man 13 000 Tonnen Kleider. Textilien und Schuhe und machte einen Nettogewinn von umgerechnet 4,4 Millionen Mark, der für gemeinnützige Zwecke auf die Hilfswerke verteilt wurde.


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