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Quelle: Deutsches Rotes Kreuz, Generalsekretariat, Referat Behindertenarbeit
Übersicht
Allgemeines/ Einführung
Menschen mit körperlichen
Behinderungen
Blinde Menschen
Hörbehinderte und gehörlose
Menschen
Menschen mit Sprachbehinderungen
Menschen mit geistigen Behinderungen
Menschen mit Epilepsie
Menschen mit psychischen Erkrankungen
(seelischen Behinderungen)
|
| Wichtige
Punkte für den Umgang mit behinderten Menschen
Helfen ist eine gute Sache, doch jede Hilfe muss überlegt, und
sie muss auch erwünscht sein!
Sie kennen vielleicht die schon etwas alte Geschichte von den beiden
wohlerzogenen, hilsbereiten jungen Leuten, die sich nach Kräften bemühten,
eine alte Dame sicher über eine belebte Großstadtstraße
zu begleiten. Die Dame schien besonders ängstlich, denn die beiden
Wohltäter hatten Mühe, sie zum Weitergehen zu überreden
und mussten gelegentlich sogar etwas nachhelfen. Sie schafften es aber
schließlich doch und verschwanden in aller Bescheidenheit ohne den
Dank abzuwarten.
Die Dame stand nun auf der anderen Straßenseite und war sehr
außer Atem. Als sie sich etwas erholt hatte, schickte sie sich an,
die Straße wieder zu überqueren. Allein. Sie hatte gar nicht
über die Straße gewollt.
Zum Glück ist diese Geschichte von der Wirklichkeit inzwischen
überholt - alte und behinderte Menschen sagen in der Regel nämlich,
was sie wollen und was nicht. Dennoch erleben sie es häufig, dass
ihre Mitmenschen eifrig bemüht sind, ihnen zu helfen und meinen, es
sei falsche Bescheidenheit, wenn ihre Hilfe nicht angenommen wird. Behinderte
Menschen sind jedoch nicht immer hilflos, denn sie haben gelernt, mit ihrer
Behinderung zu leben und erwarten, so akzeptiert zu werden, wie sie sind.
Oft können sich Personen mit einer Behinderung gut selbst helfen,
und wenn nicht, dann wissen sie selbst am besten, wie Sie ihnen helfen
können.
Als Grundregel gilt daher für Sie als helfende Person, vor
jeder Hilfeleistung die Fragen zu stellen:
-
Kann ich Ihnen helfen?
-
Wie kann ich Ihnen helfen?
Sie sollten nicht darauf bestehen zu helfen, wenn der behinderte
Mensch Ihr Angebot dankend ablehnt; oder darüber enttäuscht sein
und das nächste Mal nicht mehr fragen, ob Sie helfen können,
obwohl vielleicht gerade dann Ihre Hilfe nötig und willkommen wäre.
Wird Ihre Hilfe angenommen, so handeln sie bitte nach den Wünschen
/ Anweisungen der behinderten Person, denn sie weiß am besten, was
zu geschehen hat.
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| Menschen
mit körperlichen Behinderungen
Körperbehinderte Menschen können zu den erkennbaren auch weitere
Behinderungen haben. Darum: erst fragen - dann helfen - nach den Anweisungen
Ihres behinderten Gesprächspartners.
Gehbehinderte Menschen können Sie - auf Wunsch - behilflich sein
z.B. beim Ein- und Aussteigen, beim Treppensteigen, beim Tragen, bei Eisglätte
und Schnee. Passen Sie bitte beim Mitgehen das eigene Tempo dem des behinderten
Menschen an.
Handbehinderten Personen können Sie Hilfe anbieten z.B. beim Öffnen
von Flaschen, beim Schneiden von Lebensmitteln, beim Bedienen von Türen,
Fahrstühlen usw.
Personen im Rollstuhl können Sie auf Wunsch bei der Überwindung
von Stufen, Borsteinkanten o.ä. Hindernissen behilflich sein. Auch
hier folgen Sie bitte den Anweisungen Ihres behinderten Partners, der Ihnen
die richtigen Handgriffe nennt.
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| Blinde Menschen
Einen blinden Menschen müssen Sie von vorne ansprechen, damit Sie
erkannt werden. Er erschrickt, wenn Sie ihn ohne Vorbereitung berühren.
Auch bei blinden Menschen gilt daher der Grundsatz:
Erst fragen - dann helfen! - Nach den Anweisungen des blinden Menschen.
Sprechen Sie ruhig und selbstverständlich von dem, was Sie sehen.
Sagen Sie an, wenn eine Stufe, eine Pfütze oder ein anderes Hindernis
kommt.
Beim Gehen hakt der blinde Mensch Sie ein, nicht umgekehrt.
Gegenstände in einer für die blinde Person unbekannten Umgebung
zeigen Sie bitte durch Hinführen Ihrer Hand an das betreffende Objekt
an. Erläutern Sie bitte gleichzeitig, was Sie sehen.
Beschreiben Sie beim Essen, was es gibt, und fragen Sie dann, was der
blinde Mensch davon wünscht.
Hilfe beim Zerkleinern der Speisen ist hier nicht immer nötig.
Auch hier gilt für Sie:
Erst fragen - dann helfen!
Bitte fassen Sie blinde Menschen mit einem Hund niemals an.
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| Hörbehinderte
und gehörlose Menschen
Sie müssen von hörbehinderten Menschen und gehörlosen
Menschen gesehen werden, bevor Sie Ihnen Ihre Hilfe anbieten und gegebenenfalls
berühren können - sie erschrecken sonst heftig.
Ihr Sprechen müssen hörbehinderte und gehörlose Personen
von Ihrem Mund ablesen können. Stellen Sie sich deshalb bitte so,
dass Ihr Gesicht gut beleuchtet ist und Sie ihnen möglichst gegenüber
stehen.
Sprechen Sie langsam und deutlich, in normaler Lautstärke und
ohne Übertreibungen. Sprechen Sie in kurzen Sätzen. Schreiben
Sie Stichworte auf, wenn es um komplizierte Dinge geht. Geben Sie Arbeits-
oder Hnadlungsanweisungen an gehörlose Menschen auf doppelte Weise:
Machen Sie den Sachverhalt erst durch Gesten vor und sprechen Sie dann
die Erklärung.
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| Menschen mit Sprachbehinderungen
Hören Sie sprachbehinderten Menschen geduldig und selbstverständlich
an, auch wenn Sie beim Sprechen Fehler machen sollten oder längere
Zeit benötigen.
Sprechen Sie bitte deutlich und normal. Bitte reden Sie mit sprachbehinderten
Menschen nicht in Kindersprache (auch nicht mit Kindern).
Denken Sie daran, dass sich sprachbehinderte Menschen ihrer Behinderung
sehr bewusst sind. Die Sprachbehinderung kann sich zu einer Sprechblockade
entwickeln, wenn sich der/ die Betroffene nicht ernst genommen fühlt
und dadurch zusätzliche Sprachhemmungen entstehen. Isolation und Kontaktstörungen
mit der Umwelt können die Folge sein.
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| Menschen
mit geistigen Behinderungen
Der Umgang mit geistig behinderten Menschen erfordert von Ihnen viel
Geduld, Verständnis und Güte. Denn geistig behinderte Menschen
möchten - ebenso wie Sie - ernstgenommen und freundlich behandelt
werden.
Sprechen Sie bitte mit geistig behinderten Menschen in kurzen und klaren
Sätzen (nicht in Kindersprache). Machen Sie lieber eine Sache vor,
anstatt lange Erklärungen abzugeben. Geben Sie Anweisungen oder Bitten
präzise und falls nötig, wiederholt. Gliedern Sie Aufträge
in kleine Teilaufträge.
Geistig behinderte Menschen verstehen viel mehr, als allgemein angenommen
wird. Höflichkeit und Freundlichkeit im Kontakt zu geistig behinderten
Menschen sollten daher ebenso selbstverständlich sein wie im allgemein
menschlichem Umgang.
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| Menschen mit Epilepsie
Epilepsie äußert sich nicht nur in Anfällen, sonderen
auch darin, dass der/die Betroffene manchmal ohne erkennbaren Anlass verstimmt
und traurig ist.
Sie können in der Umgebung eines epilepsiekranken Menschen bei
seiner richtigen Behandlung mitwirken. Hierzu sollten Sie wissen, dass
es für die Betroffenen wichtig ist
-
ihre Medikamente regelmäßig und in der richtigen Dosierung
zu nehmen
-
stets zur gleichen Zeit schlafen gehen
-
keinen Alkohol zu sich zu nehmen.
Entfernen Sie bitte bei einem Anfall alle gefährlichen Gegenstände
aus der Nähe des/der Betroffenen und vermeiden Sie jede Verletzungsmöglichkeit.
Veranlassen Sie gleichzeitig ärztliche Hilfe.
Bei solchen Notfällen müssen Sie selbstverständlich
helfen und nicht "erst fragen". |
| Menschen mit
psychischen Erkrankungen (seelischen Behinderungen)
"Seelische Behinderungen" sind nicht sichtbar, meist sogar nicht einmal
direkt bemerkbar. Doch erkranken bei uns mindestens eine Million Menschen
ein- oder mehrmals in ihrem Leben an einem seelischen Leiden in Form einer
schweren Depression oder eines Angstzustandes, verbunden mit wahnhaften
Vorstellungen. Diese psychischen Erkrankungen sind heute gut behandelbar.
Sie sollten wissen, dass es für psychisch kranke Menschen wichtig
ist
-
ihre Medikamente regelmäßig und in der vorgeschriebenen Dosierung
unter ärztlicher Kontrolle einzunehmen
-
Alkohol zu vermeiden
-
nicht besonderen zusätzlichen Anforderungen und Belastungen ausgesetzt
zu sein.
Seelische Behinderung wird für Sie, wenn überhaupt, oft dadurch
erkennbar, dass der betroffene Mensch besondere Schwierigkeiten im Kontakt
mit seinem sozialen Umfeld hat. Einem psychisch kranken Menschen helfen,
heißt für Sie, mit Geduld, Beständigkeit und Offenheit
die eigene Kontaktbereitschaft stets aufs Neue zu verdeutlichen und sich
nicht enttäuscht zurückzuziehen, wenn ihr Angebot nicht (oder
nicht gleich) angenommen wird. Helfen heißt auch hier für Sie,
den betroffenen Menschen nicht wie einen Kranken oder Unmündigen zu
behandeln, sondern ihm unter Berücksichtigung seiner besonderen Situation
so "normal" wie möglich zu begegnen. |
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