Rettungsdienst
zur Übersichtsseite Rettungsdienst
Siehe auch Aus- und Fortbildung Sanitätsdienst
zur Startseite

MRSA im Rettungsdienst
Mit Schreiben des Landrates des Kreises Steinfurt Az. 32/1, Herr Elfer v. 22.04.2002 wird die anliegende Information aus dem Landesinstitut für den öffentlichen Gesundheitsdienst NRW zur Kenntnis und ggf. zur Beachtung übersandt:

Landesinstitut für den öffentlichen Gesundheitsdienst NRW, Münster Dez. 5.2 Krankenhaushygiene 4/02

Informationen und Hygienemepfehlungen beim Auftreten von 

Methicillin -resistente Staphylococcus aureus (MRSA) im Rettungs- und 
Krankentransportdienst

Allgemeine Informationen
Staphylococcus aureus gehört zu den bedeutensten Infektionserregern innerhalb aber auch außerhalb des Krankenhauses. Allerdings besiedelt er auch die Haut des gesunden Menschen, wobei er vorrangig die vordere Nasenhöle kolonisiert. Bis zu 50% der gesunden Bevölkerung ist ständig oder zeitweilig mit Staphylococcus aureus besiedelt ohne krank zu sein.

Ausgehend vom Nasenvorhof kann sich das Bakterium auch auf andere Bereiche der Haut (Hände!, Achselhöle, Analregion und Schleimhäute (Rachen) ausbreiten. Den gleichen Ausbreitungsweg kann MRSA nehmen, ein Staphylococcus aureus, dessen Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika sich weltweit deutlich und zunehmend verschlechtert hat, so dass er auch als multiresistent bezeichnet wird.

Diese Multiresistenz, d.h. Unempfindlichkeit gegenüber mehreren Antibiotikaklassen, schränkt die Therapiemöglichkeiten entscheidend ein, so dass MRSA Infektionen zu einem signifikanten Risikofaktor für die Patienten werden, denn übliche gegen Staphylokokken wirsame Antibiotika (Penicilline, Oxacillin, Cephalosporine) können nicht eingesetzt werden, sondern nur noch Antibiotika, die nur intravenös verabreicht werden können, mehr Nebenwirkungen haben und sehr teuer sind wie Vancomycin bzw. Teicoplanin.

Weltweit sellen MRSA-Infektionen ein eskalierendes Problem in stationären medizinischen Einrichtungen dar. Neben Ländern mit kaum noch beherrschbarer MRSA-Situation (u.a. Japan, USA, Spanien, Italien, Frankreich, England), die einen Anteil von 20 - 60 % MRSA aufweisen, sind die Länder hervorzuheben, die infolge strikter Kontroll- und Präventionsstrategien ihre MRSA-Raten auf wenige Prozent beschränken konnten (Niederlande, skandinavische Länder). Für Deutschland läßt siche eine bedenkliche Zunahme des MRSA-Vorkommens in Krankenhäusern innerhalb von 5 Jahren von 3,7 % auf 15,2 % 1998 belegen. 

Das Problem MRSA-Besiedlung bzw. -Infektion im Krankenhaus bzw. in anderen medizinischen Einrichtungen liegt vor allem in der Übertragbarkeit auf andere Patienten und Mitarbeiter, so dass es zu MRSA-Ausbrüchen in einer solchen Einrichtung kommen kann. Es ist deshalb notwendig, grundsätzlich ein striktes Hygieneregime einzuhalten und wenn es zum Auftreten von MRSA gekommen ist, strenge Isolierungs- und Behandlungsmaßnahmen durchzuführen, um eine Weiterverbreitung zu verhindern.

Patienten, die nur noch von einer lokalen MRSA-Infektion bzw. -Besiedlung betroffen sind, und ansonsten aus dem Krankenhaus entlassen werden können, sollen so schnell wie möglich in ihre häusliche Umgebeung bzw. sonstige betreute Wohnumgebung zurückgeführt werden, denn ohne Selektionsdruck eines Krankenhauses verschwindet MRSA am schnellsten.
 
 

Spezielle Informationen

Von Patienten, die mit MRSA infiziert bzw. besiedelt sind, geht keine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung aus.

Für gesunde Kontaktpersonen besteht kein Risiko, da sich diese Erreger außerhalb des Krankenhauses nicht ausbreiten (Ausnahme: Kontaktpersonen mit ekzematöser Haut oder offenen Wunden).

Eine Gefahr für die Einsatzkräfte der Rettungs- und Krankentransportdienste und für andere Patienten besteht nicht beim Transport von MRSA-besiedelten bzw. - infizierten Patietnen, wenn die Grundregeln der Hygiene eingehalten werden, die in einem MRSA-Hygieneplan zusammengefasst werden. Dieser Hygieneplan umfasst die folgenden Maßnahmen:

  1. Allgemeine Maßnahmen
  2. Informationen über MRSA-Trägerschaft
  3. Patientenvorbereitung und Transport
  4. Allgemeine Hygienemaßnahmen
  5. Desinfektion, Materialentsorgung
  6. Weitere Maßnahmen:

  7.  
      6.1 Verantwortlichkeiten 
6.2 Festlegung von Überwachungsmaßnahmen

6. 3 Aktualisierung des MRSA-Hygieneplans

6.4 Dokumentation, Schulung
 

Die Effektivität der Basis-Hygienemaßnahmen ist entscheidene davon abhängig, dass sie von allen gewissenhaft eingehalten werden. Sie sind im Einzelfall der Situation vor Ort anzupassen. 

MRSA-Hygieneplan
1. Allgemeine Maßnahmen

      Alle Einsatzkräfte müssen über MRSA informiert sein. Nur eingewiesenes, informiertes Personal soll MRSA-positive Patienten transportieren und betreuen.
       
2. Informationen über MRSA-Trägerschaft
      Das Einsatzpersonal ist rechtzeitig vorab von den behandelnden Ärztinnen / Ärzten bzw. vom Krankenhaus über die MRSA-Besiedlung zu informieren.
       
3. Patientenvorbereitung und Transport
    • Der Patient trägt frische Körperwäsche
    • Wunden sind frisch verbunden und gut abgedeckt
    • Bei Besiedlung der Atemwege trägt der Patient einen Mund- /Nasenschutz
    • Vor dem Transport führt der Patient eine hygienische händedesinfektion durch
    • Transport mit frische Bettwäsche und ggf. desinfiziertem Bettgestell

4. Allgemeine Hygienemaßnahmen
    • Das Einsatzpersonal trägt bei allen Versorgungsmaßnahmen, mit direktem Patientenkontakt, wie z.B. aktives Umlagern, Einmalhandschuhe und Schutzkittel.
    • Bei intubierten / tracheotomierten oder maschinell beatmeten Patienten mit MRSA legt das Personal beim endotrachealen Absaugen zusätzlich einen Mund-Nasenschutz an.
    • Das Einsatzpersonal trägt zusätzlich einen Mund-Nasenschutz, sofern ein Verbandwechsel durchgeführt werden muss.
    • Einmalhandschuhe, Mund-Nasenschutz und Schutzkittel sind nach Gebrauch sachgerecht zu entsorgen.
    • Nach Ablegen ist sofort eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen. Wäsche, Schutzkittel zur Infektionswäsche geben.

5. Desinfektion und Entsorgung
      Grundsätzlich müssen zur Durchführung der chemischen Desinfektion Mittel- und Verfahren der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) bzw. des Robert-Koch-Institutes (RKI) verwendet werden. Zur Desinfektion von Instrumenten sind thermische Verfahren vorzuziehen.
           
      1. Nach Abschluss des Patiententransportes sind alle Materialien, Geräte, Instrumente und Flächen, welche direkten Kontakt mit dem Patienten hatten gemäß dem üblichen Hygieneplan zu desinfizieren bzw. zu sterilisieren.
      2. Einmalartikel sind entsprechend sachgerecht zu entsorgen.
      3. Wäsche, Bezüge, Abdeckungen in die Infektionswäsche geben. (s. RKI-Liste)
      4. Schutzkittel in die Infektionswäsche geben (s. RKI-Liste).
      5. Alle waagerechten Oberflächen des Fahrzeuginnenraumes sind mit einem Flächendesinfektionsmittel in Form einer Scheuerwischdesinfektion desinfizierend zu reinigen.
      6. Abschließend führt das Einsatzpersonal eine hygienische Händedesinfektion durch.
      7. Nach Abschluss der vorangegangenen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen ist das Fahrzeug wieder voll einsatzbereit.

6. Weitere Maßnahmen
      1. Verantwortlichkeiten

      2. Der Träger der Einrichtung trägt die Gesamtverantwortung auch für die Hygiene in dieser Einrichtung.

        Die Durchführung der Hygienemaßnahmen obliegt allen Einsatzkräften. Ein spezielle für die Hygiene Beauftragter wird mit Überwachungsaufgaben, Überprüfung des Hygieneplans, Schulung der Mitarbeiter, Dokumentation beauftragt.
         

      3. Festlegung des Überwachungsverfahrens

      4. Die Einhaltung der Hygienemaßnahmen wird geprüft durch regelmäßige Kontrollen vor Ort durch den Beauftragten der Einrichtung. Schriftliche Dokumentation der Maßnahmen mit z.B. Checklisten.
         
      5. Aktualisierung des Hygieneplans

      6. Zeitabschnitte festlegen, nach denen die Effizienz und die Aktualität des Hygieneplans im Team überprüft bzw. ggf. Veränderungen festgelegt werden.
         
      7. Dokumentation und Schulung

      8. Einzelheiten des Hygieneplans schriftlich festlegen.
        Regelmäßige Schulung der Beteiligten festlegen und schriftlich dokumentieren.

 

Abkürzungen und Bezugsadressen

RKI = Robert Koch - Institut

Liste der nach RKI geprüften und anerkannten Desinfektionmittel und- verfahren zu beziehen beim:

Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin

DGHM = Deutsche Gesellschaft für hygiene und Mikrobiologie

Liste der chemischen Desinfektionsmittel zu beziehen beim:

mhp-Verlag GmbH
Ostring 13
65205 Wiesbaden
 
 

Ende Schreiben Kreis Steinfurt

-----------------------------------------------------------

Anmerkungen:

Weitere Informationen unter:

http://www.rki.de/GESUND/HYGIENE/AKTMRSA.HTM
 
 

 

zurück